Von unten nach oben – und dann in die Krone
Ich bin in Luxemburg aufgewachsen und nicht auf dem geraden Weg zur Baumpflege gekommen. Nach Jahren in sozialen und pflegerischen Berufen bin ich ins kalte Wasser gesprungen und habe im Gemüse- und Obstbau angefangen – ganz unten in der Kette, mit Hacke, Heckenschere und Freischneider. Von dort habe ich mich über Jahre hochgearbeitet: in die Baumpflege, ans Seil, in die Krone, zur Baumkontrolle – zuletzt ein Jahr im Team von Arbor360, parallel zum eigenen Betrieb.
Der Weg war immer derselbe: viel Praxis, und dazwischen gezielte Blöcke Theorie. Motorsäge und Fälltechnik am CNFPC, Seilklettertechnik, Hubarbeitsbühne, Artenschutz, FLL-Baumkontrolleur – jedes Jahr etwas Neues, bis heute. Nicht Theorie zuerst und dann irgendwann die Praxis, sondern umgekehrt: Erst sehen, was der Baum macht, dann verstehen, warum. Ich halte das für die bessere Reihenfolge, und ich habe mir vorgenommen, damit nie aufzuhören – die nächsten Schritte heißen European Tree Worker (ETW) und European Tree Technician (ETT).
Warum der Betrieb Tréleidir heißt, steht auf einer eigenen kleinen Seite.
Der Obstbaum ist dabei meine Wurzel geblieben. Im Intensivkurs Bongert des Natur- & Geopark Mëllerdall habe ich mich auf Hochstamm-Streuobstwiesen spezialisiert – alte Luxemburger Sorten, ihre Pflege und ihr Erhalt sind mir ein eigenes Anliegen.
Warum ich das weitergebe
Weil ich den Weg von unten kenne, weiß ich, wo er für andere hakt. Nicht jeder, der gut mit Bäumen ist, hat Lust oder Möglichkeit, jahrelang Arboristik zu studieren. Aber mit der richtigen Praxis an der Seite und gezielt gewählten Kursen bei den zugelassenen Anbietern kommt jemand sehr weit – das habe ich selbst erlebt. Deshalb nehme ich Leute, die bei mir arbeiten, im Praktischen mit und führe sie Schritt für Schritt zu den Weiterbildungen, die zu ihnen passen. Einen festen Lehrplan gibt es dafür nicht, und das ist Absicht: Nicht jeder will klettern, nicht jeder braucht die Hubarbeitsbühne, und die Baumkontrolleur-Prüfung ist anspruchsvoll genug, dass sie nicht für jeden der richtige nächste Schritt ist. Was jemand lernt, richtet sich nach seinen Stärken und seinem Tempo – nicht nach meinem Weg. Mein Ziel ist nicht nur ein guter Betrieb: Ich will, dass die Qualität der Baumpflege in Luxemburg insgesamt ein gutes Stück nach oben geht – bis wir hier lauter gute Baumpfleger haben und kein Baum mehr gekappt werden muss, nur weil niemand da war, der es besser konnte.
Dafür ist ein Bildungsfonds in Planung, der aus jedem Auftrag einen kleinen Anteil zurücklegt – für die Weiterbildung der eigenen Leute und von denen, die noch kommen.